John Lennon 

„Eight Day’s a Week“

 

 1.12.1980 bis 8.12.1980

 

 

John Lennon wurde am 8.12.1980 brutal ermordet.

Der Mörder hatte sich 192 Stunden vorbereitet.

John Lennon hatte eine Sekunde um zu erkennen was mit ihm passieren wird.

 

 

 

 

Montag 1. Dezember 1980.  Atlanta - Georgia

 

 

Dana Reeves ist Deputy Sheriff von Georgia und kennt Mark Chapman. Er lädt ihn ein bei sich zu wohnen. Mark Chapman bucht daraufhin einen Flug von Atlanta, wo er sich gerade befindet, fliegt zu Dana Reeves nach Georgia und wohnt bei ihm in dessen Haus. 

Mark Chapman bittet Reeves ihm Patronen für seine Waffe, die er für seinen persönlichen Schutz bei sich führt, zu besorgen. 

 

Der Deputy Sheriff Reeves übergibt Mark Chapman am darauf folgenden Tag fünf Hohlmantel-Geschosse. Sie tragen die Bezeichnung „with real stopping power“.

 

Er hatte sich am 23. Oktober für 169 $ einen 38er Colt Special gekauft. Jetzt hatte er legal eine Waffe und die tödliche Munition dazu.

Wie ein Zeichen war es für ihn, dass der Verkäufer im Honolulu Arms Shop mit Namen Ono hieß. 

 

Mark Chapman hat jetzt fünf Patronen für seine Waffe. Es sind sehr spezielle Geschosse und auf kurze Distanz absolut tödlich.

 

 

 

Montag  1.12.1980   New York

 

 

Er dachte zurück an den Herbst. Seine Maxime sich von den Beatles, den alten Kumpels fern zu halten, bröckelte als ein Liverpooler Urgestein in der Person von Ringo nach New York kam. Sie trafen sich im Plaza und aus der Stunde, in der sie sich „kurz“ sehen wollten wurden fünf. Es tat ihm unendlich gut und er versprach Ringo, im Januar auf seiner Platte „Can’t Fight Lightning“ mitzuspielen.

 


 

Dienstag 2. Dezember 1980   Honolulu

 

 

 

Mark David Chapman fliegt zurück nach Honolulu, wo er mit seiner Frau wohnt. Seine Frau hatte er geheiratet, weil sie Yoko Ono, der Frau John Lennon‘s nahezu ähnlich sieht. 

Von den 5,000 $, die ihm sein Schwiegervater geliehen hatte, waren noch einige tausend Dollar, für das Vorhaben das ihn seit geraumer Zeit trieb, übrig. 

 

Er wollte weder zurück in seine Wohnung, noch zu seiner Frau, die sich, immer wenn er heim kam, im Badezimmer einschloss und laut schrie, wenn er sich nur der Tür zum Bad näherte. Er spürte wie ihn seine Besessenheit mehr und mehr umfing, ihn immer mehr in Besitz nahm, ihn zu seinem Vorhaben trieb.

 

 

 

 

 

 

Dienstag  2.12.1980   New York

 

 

 

Am 24. November erschien das Album „Double Fantasy“, John Lennon’s erstes Album nach 1975 „Shaved Fish“. Die erste Single Auskopplung „(Just Like) Starting Over“ kam in die Hitparaden und wurde sehr oft im Radio gespielt. Im englischen „Melodie Maker“ ist zu lesen „zum Gähnen langweilig und stinke nach Sterilität“. Es gab für Ihn aber Interview - anfragen aus aller Welt. Für „Newsweek“ und den „Playboy“ nahm er sich sehr viel Zeit. 

 

Von 22 eingespielten Songs wurden dann aber nur 14 für die „Double Fantasy“ verwendet. Die weiteren acht Songs sollten für das Nachfolgealbum „Milk and Honey“ Verwendung finden.

 

John Lennon war vormittags im Cafe` La Fortuna und am Abend ging es ins Studio. 

Wie immer ging er abends nach Hause um seinem Sohn noch „Gute Nacht“ sagen zu können. Sean sagte später einmal, „da saß mein Vater einfach auf meinem Bett und sang mir, bis ich einschlief, Schlaflieder vor“. 

 

 
 

 

Mittwoch 3. Dezember 1980   Honolulu

 

 

 

Er ging in der letzten Nacht nicht nach Hause, drückte sich statt dessen in den Strassen Honolulus herum und schlief irgendwo in einer Ecke der dunklen Gassen. 

Am Morgen ging er los und begann willkürlich von öffentlichen Telefonzellen aus Leute anzurufen um sie am Telefon zu bedrohen. Er kaufte sich einen neuen Anzug, einen Mantel und vagabundierte den Tag in Downtown Honolulu herum. 

 

Im Honolulu Star Bulletin hatte Mark Chapman gelesen dass „ Er, John Lennon“ zur Zeit in New York im Studio ist und an einer neuen LP arbeitet. „ Er “, der ihn so betrogen, ja verraten und hintergangen hat, „Er“ der über Frieden und Liebe sang und doch Millionen auf seinem Konto hatte. Hass und Wut nahmen immer mehr von ihm Besitz.

 

 

 

 

 

Mittwoch  3.12.1980   New York 

 

 

 

Es ist Mittwoch der 3. Dezember. John Lennon hatte einen Interviewtermin mit Jonathan Cott vom „Rolling Stone“, bei sich im Dakota. Er war in Begleitung einer jungen, außergewöhnlich begabten Fotografin, Annie Leibovitz. Sie fotografierte Yoko und John in der Shooting Szene, in der Yoko voll begleidet auf dem Bett lag und John, nackt und verletzlich wirkend, sich wie ein Baby an sie klammerte. Annie Leibovitz, die durch die Lennon Fotos später Weltruhm erlangte, öffneten sich John und Yoko in einer ganz privaten Weise.

 

Man verabredete einen zweiten Termin für den Montag, 8. Dezember.

 

 

 

 

 

Donnerstag 4. Dezember 1980   Honolulu

 

 

 

Er hatte den vergangenen Abend am Aala Park verbracht und ist dann zum nahe am Park liegenden Hafenviertel gegangen, unruhig getrieben, immer in Bewegung und darauf bedacht nicht aufzufallen. Nicht von der Polizei mit einem Colt in seinen Taschen aufgegriffen zu werden. Jetzt, früh morgens war Mark Chapman schon wieder unterwegs. Er hatte in seinen Kleidern neben einer alten Halle am Honolulu Harbor geschlafen. In Downtown sah er sein Spiegelbild in einem Schaufenster des Aloha Tower Marketplace. In einer Toilette des Aloha ordnete er seine Kleidung, wusch und rasierte sich..

 

Er verbrachte den ganzen Donnerstag Vormittag damit, dass er „Hare Krishnas“ People schikanierte, die singend und tanzend in ihrer orangefarbigen Kleidung durch die Straßen Honolulus zogen. 

 

Und immer wieder Telefonanrufe, in denen er mit absurden Bombendrohungen ihm völlig fremde Menschen bedrohte.

 

Lennon war in New York .... Lennon war in New York .... Lennon war in New York

 

 

 

 

 

 

Donnerstag  4.12.1980  New York

 

 

 

Er telefonierte mit seiner Tante Mimi. Sie hatte Zweifel, dass sie sich nach nunmehr neunjähriger Trennung, sehen sollten. Mimi war von seinem Reichtum und Ruhm nicht beeindruckt. Für sie war er immer noch der „Boy“, für den sie schon vor dem frühen Tod seiner Mutter sorgte. Sie glaubte auch nicht daran, obwohl er ihr sagte dass er manchmal nächtelang am Fenster saß und in Richtung England schaute. Er sagte ihr, er könne die Lichter von Schiffen sehen die New York verließen und fragte sich, ob wohl einige davon nach Liverpool fahren würden.

 

 

 

 

 

Freitag  5. Dezember 1980  Honolulu

 

 

 

Mark Chapman rief seine völlig verängstigte Frau Gloria an und erzählte ihr dass er für ein paar Wochen nach New York fliegen will. Er hätte Geschäftliches zu erledigen, Dinge die nicht aufzuschieben seien und erledigt werden müssen. Sie müsse sich keine Sorgen machen. Sie machte sich keine Sorgen. Sie hatte nur Sorgen, wenn er in ihrer Nähe war.

 

Er hatte nur einen kleinen Koffer bei sich in dem der 38er Colt, die fünf Patronen Hohlmantel-Geschoss Munition, sowie ein paar Habseligkeiten, die er sich besorgt hatte, lagen. Er fuhr zum Honolulu Airport und buchte für den nächsten Tag einen Flug nach New York. Chapman verbrachte die Nacht im und in der Nähe des Flughafens. In seinen Gedanken war er schon in New York. Er würde ihn finden, er wußte ja wo er war. Er musste die Nacht über vorsichtig sein, durfte nicht wegen einer Kleinigkeit aufgegriffen werden. Er war seinem Ziel doch so nah. 

 

 

 

 

 

 

Freitag  5.12.1980   New York

 

 

 

Am Abend erhielt er einen Anruf  eines alten Freundes aus Liverpool in der Hit Factory. Es war Joe Flannery, der ehemalige Geliebte von Brian Epstein, dem Manager der Beatles. John freute sich von „Flo Jannery“ zu hören. Joe sagte, er hätte von John’s fixer Idee gehört, die Queen Elisabeth 2 zu chartern, um mit ihr nach Liverpool zu fahren. Er wolle herausfinden, ob und wie es gehen sollte und ob man den Mersey River bis nach Liverpool mit dem Schiff befahren könne. Joe Flannery’s Haus stand für die frühen Beatles immer offen, bei ihm kamen sie immer unter wenn sie nach Auftritten mit nur wenigen Pfund da standen, keine Unterkunft und wenig zum Leben hatten. Bei ihm waren sie Kumpels die an ihre Sache glauben konnten.

 

Liverpool kam ihm in der letzten Zeit immer näher. Es war ihm, als wenn immer mehr an ihn gedacht würde. Die „Fessel“ Beatles scheint überwunden. Die Musik hat von ihm Besitz ergriffen. Seine Musik ist wieder da.

 

 

 

 

New York   Sheraton Hotel   Samstag, 6. Dezember 1980

 

 

Um 14:26 Uhr Ortszeit ging sein Flug mit Hawaiian Airlines von Honolulu über Los Angeles, wo er um 23:00 Uhr fast eine Stunde Aufenthalt hatte, nach New York. Hier kam Chapman 8:26 Uhr am J.F.K International Airport an. Er nahm sich ein Taxi und ließ sich zu einem Hotel in der Nähe vom Dakota House fahren. Auf der Fahrt zum Sheraton Hotel erzählte er dem Taxifahrer, dass er Toningenieur sei und gerade von einer heimlichen Session mit John Lennon und Paul McCartney kam, die als Beatles wieder zusammen aufnehmen wollten. Der Taxifahrer nickte anerkennend, wunderte sich aber, dass er einen Fahrgast hatte der freizügig von so vielen „Heimlichkeiten“ berichtete.

Er checkte im Sheraton ein, fragte nach dem Weg zum Dakota House und verließ dann das Hotel. Mark Chapman kaufte sich die LP „Double Fantasy“ von John Lennon. Er lief neun Blocks zum Dakota House in dem John Lennon und Yoko Ono wohnten und wartete dort vor dem Haus, die LP von John Lennon unter dem Arm. 

Chapman kam mit zwei Frauen, die oft dort standen ins Gespräch. Sie sagten ihm, dass sie John Lennon vom Sehen her kennen und hin und wieder ein paar Worte mit ihm sprechen.

Er sah John Lennon an diesem Tag nicht. Er würde geduldig sein. Erst am Abend ging er zurück zum Sheraton. Er war in New York. Er war bei ihm.

 

 

 

 

 

 

New York   Dakota House  Samstag 6.12.1980

 

 

 

Am 6. Dezember nachmittags ging John Lennon, wie so oft um diese Zeit, ins Café La Fortuna um Cappuccino zu trinken und Zeitungen zu lesen. Vincent Unwald, der Besitzer des Cafés zog John Lennon auf, wegen seines Comeback - Albums an dem er gerade arbeitete. „ Sie haben diese wilden Jahre mit dem Erfolg mit den Beatles hinter sich gebracht, das Geld brauchen Sie doch nicht. 

John sagte: „Ich habe geschworen, mich um meinen Jungen (Sean Ono Lennon) zu kümmern, bis er fünf ist, und er ist jetzt fünf. Ich habe wieder Lust meine Musik zu machen.

Sie gaben Andy Peebles und John Peel von BBC Radio 1 ein langes, intensives Interview. Am Abend dann wieder im Record Plant Studio.

 

Bob Gruen, ein Freund und Fotograf von John Lennon, schaute abends im Studio vorbei. John wirkte geradezu glücklich. Sie saßen über Stunden zusammen in denen auf Grund technischer Probleme, Techniker irgendwelche Studiogeräte in Ordnung brachten. John freute sich dass „Double Fantasy“ in den Top Ten war. Er freute sich auf die Welttournee die im nächsten Frühjahr starten sollte und ihn nach vielen Jahren endlich wieder nach England und Liverpool führen sollte. Seine Tante Mimi hatte er neun Jahre nicht mehr gesehen, telefonierte aber immer wöchentlich mit ihr. Er war so voller Hoffnung, sprach über seine Lieblingsrestaurants, hatte eine so positive Zukunftsvorstellung nach all seinem Suchen, seinem „Help, I need somebody, Help“, seinen Irrwegen, Drogen und Alkoholexzessen und seinen vielen Therapien.

 

 

 

 

 

 

 

New York  Sheraton Hotel  Sonntag  7. Dezember 1980

„Pearl Harbour Day“.

 

 

 

Mark Chapman ging morgens eilig und getrieben zum Dakota House. Er wollte „IHN“ nicht wieder verpassen. Mark Chapman stand vor dem Haus und wartete dort drei Stunden. Die beiden Frauen von gestern waren heute nicht hier. Gegen Mittag wurde er hungrig und fuhr mit einem Taxi zurück in sein Hotel. Ihm fiel ein, dass er sein Buch, in dem er täglich lesen wollte, nicht dabei hatte und ging in einen Buchladen nahe dem Sheraton Hotel. Dort kaufte er noch einmal „The Catcher of the Rye“ **, und ein Poster, „Dorothy and the Cowardy Lion“ **, das sehr zu seiner inneren Stimmung  passte.

 

Sein Blick fällt auf den Dezember Playboy mit einem Interview von Yoko Ono und John Lennon. Das erste Interview von Lennon seit fünf Jahren. Er kaufte den Playboy, ging zurück zum Restaurant des Sheraton und las das Interview der Beiden während des Dinners. Er legte den Playboy zur Seite und er wußte dass es richtig war wie er handelte. Es gab ihm das Gefühl zufrieden zu sein, seine ihm aufgetragene Arbeit zu tun.

 

Nach dem Essen bestellte er sich ein Call Girl für 190,- $ auf sein Zimmer, mit dem er aber nur redete. Sie verließ erst am nächsten Morgen Chapman‘s Zimmer um 3.oo Uhr, froh und verstört über die abstrusen und wirren Ansichten, die sie sich stundenlang anhören musste. Es war leicht verdientes Geld und doch nicht. Mit einem Verrückten, wie sie dann später erzählte, Stunden in einem Zimmer zu verbringen, der nur über wirre Dinge sprach.

 

Sie konnte ohne eine Gegenleistung, wenn man das Zuhören nicht in Betracht zog, das Zimmer ungeschoren verlassen. Sie war froh zu gehen und war sich erst am nächsten Tag durch das Geschehene bewusst in welcher Gefahr sie sich befand. 

 

Nein, sie war in keiner Gefahr. Sie nicht.

 

Er war eine Gefahr.

 

 

 

** The Catcher in the Rye ( Der Fänger im Roggen ). J.D.Salinger. Das Buch handelt vom dem 16 jährigen Holden,, der in psychiatischer Behandlung ist, Falschheit und alles was verlogen und affektiert ist, verabscheut. Nach einem Schulverweis die Schule verläßt, und drei Tage durch Manhatten irrt. Chapman identifiziert sich mit Holden.

 

** Dorothy and the Cowardly Lion ist aus The Wizard of OZ. Dorothy das kleine Mädchen und Cowardly der feige Löwe.

 

 

 

 

 

 

 

 

New York  Dakota House  Sonntag 7.12.1980

 

 

 

Die Aufnahmen zu „Walking On Thin Ice“ mit Yoko Ono dauerten bis Sonntag morgens. John hatte mit Bob ausgemacht, nach den Studio Aufnahmen noch Fotos zu machen. Als sie um sechs Uhr das Studio verließen, wollte Yoko nur noch nach Hause. „Vergiss die Fotos!“, sagte sie zu John. „Wir machen sie morgen oder irgendwann nächster Woche“. Doch John bestand darauf und so wurden an der 44th Straße noch Fotos mit John Lennon und Yoko Ono gemacht. John Lennon verabschiedete sich von seinem Freund mit „Okay, bis später dann“.

 

Bob Gruen sah seinen Freund John Lennon nie wieder.

 

 

John ging an diesem Tag nicht ins La Fortuna. Sie fuhren nach Hause, sprachen über die Aufnahmen und wie sie vorgehen wollten, hatten vor, lange zu schlafen.

John und Yoko verließen am Nachmittag das Dakota um wieder ins Studio zu fahren. 

 

Nahezu jeden Tag, selbst in der Nacht, standen irgendwelche Leute vor dem Dakota an der 72. Strasse neben dem Eingang mit den großen gotischen Bögen und dem Wächterhäuschen. Die Fans waren immer zurückhaltend und geduldig. John blieb immer stehen und gab höflich Autogramme, oft um auch ein Schwätzchen mit den „Groupies“ wie er alle nannte, zu halten. Sicher gab es auch Individuen über die er sich ärgerte. 

 

An diesem Wochenende stieß in diese doch höfliche Gruppe ein etwas dicklicher 25-jähriger Mann den niemand kannte und der auch noch nie vor dem Haus gesehen worden. Er ließ die sonst übliche freundliche Art der „Groupies“ vermissen und ging, als John Lennon an diesem Tag das Dakota verließ, direkt auf ihn zu um ihn aus allernächster Nähe zu fotografieren. John wurde wütend und rannte auf diesen Typ zu um ihm die Kamera abzunehmen. Yoko rief noch: „Lass das bleiben!“ Es gelang ihm nicht und er kam ohne die Kamera zurück.

 

Sie fuhren ins Studio. John Lennon hatte sich noch Riffs und besondere Gitarreneffekte überlegt, die er einspielen wollte. Es gelang ihm schnell, diesen kleinen Vorfall zu vergessen.

 

Diese Gitarrenriffs auf „Walking On Thin Ice“ sind die letzten Akkorde die John Lennon spielte.

 

 

 

 

 

New York  Sheraton Hotel und Dakota House  Montag 8. Dezember

 

 

 

Mark David Chapman wachte gegen 10.30 Uhr allein in seinem Zimmer im Sheraton Hotel auf. Er zog sich an und begann einen Tisch in seinem Zimmer als Altar zu schmücken. Eine Cassette von Todd Rundgren, die Hotelbibel, Fotos von sich mit Kindern aus Vietnam, einen Brief, in dem er sich und seinen Fleiß hervorhob, sowie das Poster von Cowardy Lion.

 

Er nahm die LP „Double Fantasy“ von John Lennon und den Revolver, verließ das Sheraton und ging zum Dakota House und wartete. 

Jude Stein, eine der beiden Frauen die er vor Tagen kennen lernte, war auch hier. Sie sprachen miteinander, währenddessen der 5-jährige Sean, Sohn von John Lennon und Yoko Ono, mit seiner Nanny kam. Jude Stein, die Sean kannte, stellte Chapman vor. Er gab Sean artig die Hand. Später sah er noch Paul Simon, Lauren Bacall und Mia Farrow, die auch im Dakota wohnten, aus dem Haus gehen. Dann erkannte Chapman plötzlich hinter sich die Stimme von John Lennon. Lennon und Yoko Ono verließen mit einigen anderen das Dakota. Chapman hielt John Lennon die „Double Fantasy“ LP hin und John Lennon unterschrieb, John Lennon, Dezember 1980. Lennon lächelte und fragte „is that all you want?“ So als würde er ahnen, dass Chapman mehr wollte als ein Autogramm. Ein Fotograf machte ein Foto, und Mark Chapman bot dem Fotografen 50 $ wenn er ihm am nächsten Tag das Foto gäbe. 

 

Chapman wartete bis in die Nacht vor dem Dakota auf John Lennon. Lennon war mit Yoko Ono und den Musikern im Studio. Sie arbeiteten den Tag über an Aufnahmen für eine neue Langspiel-Platte. 

 

Chapman wartete. Er würde die ganze Nacht warten.

 

 

 

 

 

 

New York   Record Plant Studio   Montag 8.12.1980

 

 

 

Der 8. Dezember 1980 war ein Montag. John Lennon ging zum Frühstücken wie so oft, ins La Fortuna auf der Columbus Avenue, danach hatte er einen Friseurtermin für seine zweite Fotosession mit Annie Leibovitz, um sich die Haare im Stil der 50er Jahre schneiden zu lassen. 

Am Nachmittag gaben John und Yoko in ihrer Wohnung dem Radiosender RKO ein ausführliches Interview. Danach posierte er für die „Leibnitz Foto Session“, in Lederjacke und Jeans, als wenn er gerade, zur anfänglichen Hamburger Beatles Zeit, auf dem Weg zur Bühne des Kaiserkellers auf der Reeperbahn war.

Gegen vier Uhr nachmittags machte er sich mit Yoko und dem Team von RKO im Wagen auf den Weg ins Record Plant Studio. Kurz bevor John Lennon ins Auto stieg, kam dieser kleine, dickliche Kerl, Chapman, zu ihm und hielt ihm die LP „Double Fantasy“ hin, John signierte sie ihm und fragte „ Is that all you want“? Der Fotograf Paul Görest, der zu diesem Zeitpunkt vor dem Dakota war, hielt diesen Augenblick fest. Dieses Foto ging am nächsten Tag um die Welt.

 

Im Studio arbeiteten sie sechs Stunden an einem neuen Lennon/Ono Song „Walking On Thin Ice“. David Geffen, bei dem John und Yoko ihren Plattenvertrag hatten, kam im Studio vorbei, um ihnen mitzuteilen, dass ihre LP „Double Fantasy“ trotz vieler Kritiken eine Goldene Schallplatte einbringen würde. John telefonierte in einer Pause mit seiner Tante Mimi in England, um ihr zu sagen, dass er sich freute wieder nach England zu kommen und sie sich wieder sehen würden. Die Studioaufnahmen wurden gut und er lies sich die Aufnahmen auf Cassetten überspielen.

 

Gegen 22.30 Uhr schlug Yoko vor noch ins Restaurant Stage Deli zum Abendessen zu gehen. Er wollte aber vorher nach Hause um seinen Sohn noch zu sehen.

Die Nacht war für New York außerordentlich mild und warm. Wie immer standen Gestalten vor dem Eingang des Dakota. Die Limousine hätte in den inneren Vorhof des Hauses fahren können, fuhr aber nur bis vor den Eingang.

 

 

 

 

 

 

Dakota House 22.47 Uhr  8. Dezember 1980

 

 

Um 22.47 Uhr sah Chapman eine dunkle Limousine vorfahren und direkt vor dem Eingang des Dakota halten. John Lennon und Yoko Ono stiegen aus. Chapman ging auf die Beiden zu.

 

 

 

 

 

Dakota House  22.48 Uhr  8.12.1980

 

 

Als John Lennon ausgestiegen war, stand plötzlich eine schattenhafte, breitbeinige Gestalt, ganz wie in einem Polizei-Gangster-Film vor ihm, in einer Hand sah er die „Double Fantasy“ Langspielplatte.  

 

Eine weichliche Stimme rief ihn an : „Mr. Lennon!“. Er drehte sich um und sah auf, 

im selben Moment traf ihn der erste von fünf Schüssen. Chapman hob den Colt und schoss aus sechs Metern fünfmal auf John Lennon. Zwei Kugeln trafen sein Schulterblatt, zwei seine Lunge und eine seine Halsschlagader. John Lennon lief taumelnd, stolpernd weiter in Richtung Wächterhäuschen und brach an den Treppenstufen des Dakota zusammen. Die Cassetten, die er in Händen hielt, verstreuten sich auf dem Boden. 

Yoko schrie: „Jemand hat auf John geschossen!“ Der Wärter drückte den Alarmknopf, 

der direkt mit der Polizei verbunden war und kniete sich dann neben John Lennon. 

Er nahm ihm die Brille ab und deckte ihn mit seiner Jacke zu. Nach zwei Minuten waren zwei Streifenwagen da.

Der dickliche schmierige Mann der auf John Lennon schoss, lehnte an der Ziegelmauer rechts neben dem Eingang und las in aller Ruhe, als wenn nichts geschehen wäre, im „Fänger im Roggen“. Seine Waffe und die LP lagen vor ihm auf dem Boden.

 

Die Leute zeigten auf ihn. Ein Polizist kam auf ihn zu und nahm ihn widerstandslos 

fest.

 

 

 

 

 

New York  Roosevelt Krankenhaus, 8.12.1980, 23.07 Uhr

 

 

Man wartete nicht auf einen Krankenwagen und trug John in einen der Streifenwagen und brachte ihn ins Roosevelt Krankenhaus in der 59. Strasse. Yoko fuhr im anderen Streifenwagen hinterher. Während der Fahrt war er noch bei Bewusstsein. 

 

Kurz nach der Ankunft in der Notaufnahme wurde um 23.07 Uhr sein Tod festgestellt.

 

John Lennon verstarb am Montag den 8.12.1980, neunzehn Minuten nach den Schüssen auf ihn im Roosevelt Krankenhaus in New York. 

 

Er hatte 80 % seines Blutes verloren.

 

 

 

 

 

 

Dakota House nach dem 8.12.1980

 

 

In der Wohnung Nummer 72 in der 72. Straße sprangen noch viele Tage später, als sich die Wohnungstür zur Wohnung öffnete, drei Katzen zur Tür um jemanden zu begrüßen, der nie mehr kam.

 

 

 

 

Yoko Ono

 

 

Der Irre versucht jedes Jahr um vorzeitige Freilassung. Yoko Ono kämpft jedes Jahr mit allen Mitteln dass der Irre nicht mehr in Freiheit kommt.

 

 

 

 

 

Quellen :

 

John Lennon - Die Biographie                Philip Norman

John W. Lennon - Eine Biographie         Ray Coleman

John Lennon - Die Jahre in New York    Bob Gruen

The John Lennon Letters                        Hunter Davis

Internet

 

 Dakota Bilder :

 

 Nina 2017 und Lukas 2019

 

 

 

 

Der Eingang des Dakota House, vor dem John Lennon niedergeschossen wurde. Durch diesen Torbogen schleppte er sich bis zur Treppe. Links das Wärterhäuschen. Rechts neben dem Eingang wartete der Irre, an der Wand, lehnend, auf die Polizei.

 

 

Im Dakota House wohnten im im Dezember u.a. Mia Farrow, Paul Simon, Leonard Bernstein und Lauren Bacall.

 

 

 

Das Dakota mit dem Eingang. Hier im siebten Stock ist die Wohnung von Yoko Ono und John Lennon.

Meines Wissens wohnt Yoko Ono noch dort.

 

 

 

 

Bodenplatte im Central Park

 

 

 

Relief im Centralpark gegenüber des Dakota House

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